Wenn Rechtsanwälte junge Menschen zu einem Gerichtstermin begleiten müssen, ist eine gute Vorbereitung heute wichtiger denn je. Denn nicht nur das erwachsene Publikum kann die Realität oft nicht von Scripted-Reality-Shows wie “Barbara Salesch” oder “Richter Hold” unterscheiden. Hier ist das Fernsehen seinem Informationsauftrag mittlerweile in vollem Umfang nicht gerecht geworden. Warum sollte es da Jugendlichen anders gehen. Deshalb gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nun die bundesweit erste Justiz-Jugendseite im Internet – zumindest wird das behauptet.
Justizministerin Kuder will Jugendliche ansprechen
Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Uta-Maria Kuder beschrieb letzte Woche bei der offiziellen Vorstellung, dass sie in vielen Begegnungen mit Jugendlichen die Erfahrung gemacht habe, dass die Justiz und alles, was damit zusammenhängt, aus Sicht der 12- bis 16-Jährigen kompliziert und unklar ist:
- Was macht eigentlich eine Justizministerin, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den ganzen Tag?
- Was passiert in den Staatsanwaltschaften?
- Was geschieht eigentlich mit einem Jugendlichen, wenn er nach einer schweren Straftat von einem Jugendgericht zu einer Jugendstrafe verurteilt wird?
“Diese Fragen möchte ich gerne beantworten”, so Ministerin Kuder weiter. “Das Internet ist heute das entscheidende Medium für unsere Jugendlichen. So kam mir die Idee, im Internet eine ‘Justiz-Jugendseite’ für unsere Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern ins Netz zu stellen. Bundesweit gibt es ein solches Angebot noch nicht. Für die Darstellung der Justiz war und ist mir wichtig, dass wir den – nennen wir es ruhig – oft ‘trockenen’ Stoff, die eigene Juristensprache unseren Jugendlichen nahebringen. Hierbei wird mancher entdecken, wie häufig er oder sie schon mit der Justiz zu tun hatte.”
Drei Schwerpunkte thematisiert die Justiz-Jugendseite des Justizministeriums:
- Von der Straftat eines Jugendlichen über das Jugendgerichtsverfahren bis zur Vollstreckung einer Jugendstrafe.
- Wie funktioniert Justiz? Der Aufbau der Justiz in Mecklenburg-Vorpommern!
- Welche Rechte habe ich als Jugendlicher? Erziehung, da rede ich mit! (wird in wenigen Wochen vorgestellt)
Justiz-Jugendseite im Praxistest: versteckt, klicki, bunti, flashi
So gut gemeint und so gut aufbereitet der Inhalt auch ist, an Jugendliche kann sich die Seite nicht wenden wollen. Bei der “Justiz-Jugendseite” handelt es sich um eine normale Text-Inhaltsseite der Justizministeriumsseite. Zwei Punkte sind mit einem Hyperlink hinterlegt, die je zu einer anderen Flash-Anwendung führen (siehe oben, Punkte 1 und 2). Das ist schon einmal gut versteckt. Dort werden dann zwar graphisch etwas aufbereitet, grundlegende Inhalte des Justizwesens besprochen, aber das war es dann auch schon. Lehrer könnten diese Flash-Anwendungen vielleicht im Unterricht einsetzen wollen, aber eine jugendgerechte Ansprache – vor allem auch im Sprachstil – sieht anders aus. Dafür stehen Sätze wie: ”Die Richterin verliest den Eröffnungsbeschluss, dass die Anklageschrift der Staatsanwältin so zugelassen ist, wie sie sie verfasst hat.“
Gerade bei diesem Thema würden sich z.B. kleine Videos oder interaktive Grafiken mehr anbieten, als die Umsetzung eines Verfahrensablaufs in eine Flash-Anwendung. Vermutlich wird sich nie ein echter Jugendlicher auf diese Seite verirren, denn dem Projekt fehlt es an der nötigen Abstraktion von Bürokratie und Rechtsnormen, die aber für eine allgemein verständliche Kommunikation notwendig ist. Die Aufbereitung in Klicki-Bunti-Flashi kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Flash-Anwendungen ohne Vorkenntnisse oder zusätzliche Erläuterungen wenig nutzen. Schade, dass dieser gute Ansatz sich so zielgruppenfern präsentiert.



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